Dornröschenschlaf ist vorbei
Die 90 Mitarbeiter des Evangelischen Alten- und Pflegeheims Orsoy müssen ihre Arbeitsweise gravierend verändern und effektiver arbeiten – sonst überlebt die Einrichtung nicht. "Potenzialberatung" wurde erstellt.

2010-07-20-1-rp2010-07-20-1-rpSeit die Evangelische Altenhilfe Duisburg mit Sitz in Beeck das Evangelische Alten- und Pflegeheim In Orsoy mehrheitlich übernommen hat, ist nichts mehr wie es war. Die Evangelische Kirchengemeinde Orsoy ist nur noch Teilhaber ohne wirkliche Mitentscheidungsbefugnis, Pfarrer Uwe Klein wurde als Geschäftsführer der Einrichtung abgesetzt (die RP berichtete) – und die rund 90 Mitarbeiter des Hauses müssen sich in ihrer Arbeitsweise umstellen.

Inzwischen müssen sie aber zumindest nicht mehr um ihre Arbeitsplätze bangen. Denn die Chancen stehen nicht schlecht, dass die auf mindestens drei Jahre angelegte Umstrukturierung den gewünschten Erfolg bringt. Dennoch will sich Johannes Eßmann, Geschäftsführer der Evangelischen Altenhilfe Duisburg, nicht zu der Aussage hinreißen lassen, das Orsoyer Haus sei bereits langfristig gerettet: "Das können wir erst in ein paar Jahren sagen."

Stärken und Schwächen analysiert
Seit einem knappen halben Jahr wird an der Neuausrichtung gearbeitet. Die Weseler Firma "oe niederrhein consulting" hat eine "Potenzialberatung" durchgeführt, was bedeutet: Stärken und Schwächen wurden analysiert, daraus resultierend wurden Handlungsanweisungen für Pflegekräfte, Küchenpersonal, Bürobelegschaft und Hausmeister formuliert.

Jutta Spittka von oe consulting spart nicht mit Lob für die Mitarbeiter: "Das sind durchweg sehr engagierte Leute, und sie haben sehr bewohnerorientiert gearbeitet. Aber insgesamt lag das Haus zu lange in einer Art Dornröschenschlaf." Was die Beraterin meint, ist: Es gab keine klar definierten Zuständigkeiten, keine Führungsstruktur, irgendwie war jeder für alles und nichts zuständig – und so lässt sich heute kein Altenheim mehr führen.

Was verändert sich nun? Eine Rationalisierung sei bereits dadurch erzielt worden, dass die Büroarbeiten zentral von Beeck aus erledigt werden, machte Geschäftsführer Johannes Eßmann deutlich. Mit Petra Rathofer hat man eine Organisationsleiterin im Haus installiert, die das Sagen hat.

Sie sagt: "Wichtig ist, dass alle Mitarbeiter in den Veränderungsprozess mit einbezogen werden. Wir müssen mehr Transparenz in die Arbeitsabläufe bekommen." Sie selbst kooperiere eng mit Pflegedienstleiter Volker Hagemann. Es gehe jedenfalls nicht darum, den Leuten auf charmante Art und Weise klar zu machen, dass sie künftig für weniger Geld mehr arbeiten müssten, betonten alle Beteiligten.

Lobende Worte gab es auch von Hausmeister Ludger Michels, der die Mitarbeiter vertritt. "Die Resonanz auf die ergriffenen Maßnahmen war bisher sehr gut. Ich glaube, dass die Mitarbeiter sehr zufrieden sind. Die Stimmung im Haus ist gut." Unter anderem sind Interviews zur Arbeitssituation und Fragebogenaktionen durchgeführt worden. "Aber der Prozess ist noch längst nicht zu Ende", betonte Cläre Ahrens, ebenfalls von oe consulting. "Wir stehen erst am Anfang."

"Entzauberungsprozess"
Im Orsoyer Alten- und Pflegeheim sind bereits aus vier Wohnbereichen zwei geworden. Auch sei erreicht worden, dass sich die Pflegekräfte durch die Einstellung von Alltagsbegleitern auf ihre eigentliche fachliche Arbeit konzentrieren können. Neu organisiert werde zudem der Küchenbetrieb. Jutta Spittka: "Diese Rückführung auf die Kernkompetenzen ist ein bisschen auch ein Entzauberungsprozess. Die Mitarbeiter müssen das trainieren."




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