Gruseliges Treiben
Gruseliges Treiben in der Tiefe einer Gruft
Es gibt Dinge, mit denen sich Ratsherren beschäftigen müssen, die treiben einen leichten Grusel den Rücken herunter. So in der jüngsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses.
Die Grabstelle „Lüps" auf dem Orsoyer Friedhof am Südwall ist das Familiengrab einer Dynastie, die den Ort Orsoy vom 18. Jahrhundert an bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die „Lüpssche Tuchindustrie" prägte. Doch die längst Verblichenen kommen derzeit nicht zur ewigen Ruhe: Ihre verschlossenen Zinksärge dümpeln im tiefen Wasser, statt auf der Erde zu ruhen.

Längst befindet sich die Grabstelle in städtischem Eigentum, weil es keine Nachfahren mehr gibt. Doch einfach platt machen darf man sie nicht: Sie steht unter Denkmalschutz. Inzwischen besteht für die einst gemauerte Grabkammer sogar Einsturzgefahr. Das gruselige Detail: Seit Jahren sammelt sich Regenwasser, steht mannshoch in der Gruft: „Worin die Särge vertikal dümpeln", heißt es schlicht in der Verwaltungsvorlage.
Kammer wird mit Erde gefüllt
Beigeordneter Dieter Paus fügte in der Sitzung hinzu, dass selbst Kindersärge auf dem Wasser schwimmen. Das hatte man bei einer Öffnung der Grabkammer festgestellt. Jetzt muss der Fachbereich Tiefbau und Grünflächen den Keller ebenerdig abtragen. Eine Aufgabe, um die man die Mitarbeiter nicht beneidet, meinte man einhellig im Ausschuss.
Denn die müssen auch die Särge aus dem Wasser angeln, sie wieder sauber bestatten. Die einsturzgefährdete Decke wird abgetragen, die Grabkammer über den Särgen mit Erde gefüllt. Später wird man nichts mehr von den schwimmenden Särgen merken, sind Totenruhe und Denkmalschutz gewahrt, weil oberirdisch das Grab wie früher hergerichtet wird.
„Bedeutend für die Geschichte des Stadtteils Orsoy"
Warum das Grab so interessant ist, ist in der Denkmalschutzakte nachzulesen: „Das Grabmal ist ein Denkmal. Es ist bedeutend für die Geschichte des Stadtteils Orsoy, weil es das Andenken an eine Familie wach hält, die im 18. und in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert die Wirtschaft des Ortes in wesentlichem Maße geprägt hat und die sich ihrem sozialen Stand gemäß ein repräsentatives Denkmal gesetzt hat.
Für seine Nutzung und Erhaltung sprechen kunstgeschichtliche Gründe, weil dem Grabpfeiler exemplarische Bedeutung für die klassizistische Stilrichtung zukommt, die im Bereich der Sepulkralkultur auf den Friedhöfen des Stadtgebietes nur noch in wenigen Beispielen nachweisbar ist."
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