Die Geschichte der Friedemanns
2010-10-15-rpIm Vorfeld der Aktion Stolpersteine im November plant der Verein LeseLust Orsoy eine Lesung. Bei der Vorbereitung stieß man auf das Buch, in dem eine in Orsoy geborene Jüdin von ihrer Jugend in der Stadt erzählt. Mit einer Lesung aus Werken israelischer Schriftsteller bereitet der Verein LeseLust die Stolpersteinaktion am 11. November vor – Erinnerung an die jüdischen Familien, die im Orsoy lebten. Bei der Vorbereitung stieß Vereinsvorsitzende Petra Gehnen auf die Familie Friedemann. Verschiedene Zufälle spielten ihr in die Hände: "Ich dachte, eine Lesung einige Tage zuvor bietet den richtigen Rahmen", erinnert sich Gehnen.

Übersetzt
Die Liste ausgewählter israelischer Schriftsteller heutiger Zeit war lang, und so sollte sich ein Hinweis von Martin Schmitt als sehr wichtig erweisen. Der gebürtige Orsoyer hatte gerade für sein Lehrerexamen mit den Fächer Geschichte und Philosophie recherchiert. Dabei stieß er bei Nachforschung zur lokalen Geschichte auf ein englischsprachiges Buch in der Münchener Staatsbibliothek, das Herta Friedemann geschrieben hatte. Darin erzählte sie u.a. von ihrer Kindheit in Orsoy. Sie war Jüdin und 1909 dort geboren.

Für Petra Gehnen stand fest, dass auch Kapitel aus diesem Buch gelesen werden sollten, "weil sicher ein hoher Wiedererkennungswert gegeben ist." Über die im Impressum angegebene Telefonnummer erreichte sie Ruth Fluss, Hertas Tochter, die in Haifa lebt. "Mir ging es um das Urheberrecht", erzählt Petra Gehnen. Ruth Fluss erlaubte die Übersetzung für die Lesung und schickte das nötige Buch, übrigens das zweite in Deutschland und im Verein LeseLust katalogisiert. "Ich war so überrascht und gleichzeitig erfreut über diesen spontanen Kontakt", meint Petra Gehnen. Inzwischen hat ihre Tochter Gitta verschiedene Kapitel übersetzt.

Herta Friedemann machte zunächst eine kaufmännische Ausbildung in Hamborn-Walsum und ging nach Berlin, wo sie 1932 ihren Mann Karl Rosenberg kennenlernte. Gemeinsam gingen sie zwei Jahre später nach Köln. Als Jude und Kommunist wurden ihrem Mann früh schmerzliche Grenzen gesetzt. In Siegburg war er im Gefängnis, 1942 wurde er deportiert. Gefängnismauern erlebte auch Herta. 1937 wurde ihre Tochter Ruth geboren. Über Kontakte ihres Mannes ging sie nach London. Von ihren fünf Geschwistern starben ab 1941 Walter, Thea und Kurt in Vernichtungslagern wie auch die Eltern Simon und Emma Friedemann.

Besuch aus Israel
"Ich bin sehr berührt, bin erschüttert, wenn ich die verschiedenen Kapitel immer wieder lese. Mir geht die Geschichte der Orsoyer Familie Friedemann sehr zu Herzen", sagt Petra Gehnen. Umso wichtiger ist für sie die Aktion der Stolpersteine, die in Orsoy am 11. November stattfindet. Dazu hat sich auch Besuch angesagt: Hertas Tochter, Ruth Fluss und ihr Mann werden dabei sein. Sie haben ihre Reise von Haifa zur Familie nach London so geplant, dass sie für zwei Tage einen Zwischenstopp in Orsoy machen. Auch von Hertas Bruder Max ist die Familie anwesend. Sohn Andre Friedemann kommt aus Berlin.




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