Die Kirche tieferlegen
Die Kirche tieferlegen
"Alleine für die Ökumene müsste man eine Kirchensanierung erfinden", schwärmt Pfarrer Uwe Klein und zeigt uns einen Schlüssel. Der ist mehr als nur Symbolik. "Ich habe als evangelischer Pfarrer den Generalschlüssel für die katholische Kirche." Denn seit drei Jahren teilen sich die katholischen und evangelischen Christen in Orsoy geschwisterlich die St.-Nikolaus-Kirche im Rheinberger Stadtteil für ihre Gottesdienste. "Der Zusammenhalt hier in Orsoy ist wunderbar."
Grundlegendes Problem
Wunderbar und zugleich Realität st das Projekt, welchem sich Uwe Klein und seine 1800 Glieder zählende Gemeinde vor drei Jahren stellten. Damals ging es zunächst darum, das aus dem 15. Jahrhundert stammende Gotteshaus gegen die nicht mehr zu ignorierenden Feuchtigkeitsschäden an allen Mauern zu schützen.
Uwe Klein: "Als wir anfingen war auch schnell klar: Wir hatten hier keine Reparatur vor uns, sondern ein grundlegendes Problem. Mit Farbe alleinewar nichts zu machen." Die Feuchtigkeit hatte über die Jahrhunderte die Fundamente und Strebepfeiler angefressen; für die gotische Gewölbekonstruktion mussten unverzüglich bautechnische Sicherungen gefunden werden.
Und während sich die Bauleuteinnen wie außen bis an den unteren Rand der Fundamente gruben, machten sie auch gleich eine Entdeckung: Über die Jahrhunderte hinweg wurde "in bester Absicht" ständig Erde außen an die Kirche heran und in den Kirchenraum hinein gekarrt. Damit versuchten die Kirchenväter, der Feuchtigkeit Herr zu werden. Und damit haben siesich völlig verkalkuliert.
Uwe Klein: "Wir haben hier kein Problem mit dem Grundwasser, sondern ausschließlich mit Oberflächenwasser. Die Kirche steht auf schwerem Lehmboden, der Feuchtigkeit speichert. "Außen sind die Fundamente freigelegt und Stein um Stein ausgebessert. Aus dem Innenraum wurden inzwischen 400 Kubikmeter Erdreich abgefahren. Jetzt ist das Originalniveau des Bodens erreicht - deutlich erkennbar an Pfeilern für die Gewölbe.
Uwe Klein: "Wir liegen jetzt drei Rheinische Fuß tiefer. "Was etwa 1,10 Meter ausmacht. In dieser Tieferlegung sind in den vergangenen drei Jahren 700000 Euro geflossen, davon alleine 200 000 Euro zur Beseitigung der statischen Probleme.
80 Leichen im Keller
Doch die Bauarbeiten sind wie ein Blättern in einem Geschichtsbuch, und sie haben mit Beginn auch die Archäoiogen auf den Plang erufen. Die vorgefundenen unterschiedlichen Bodenniveaus müssen historisch noch zugeordneten werden - auch die sterblichen Überreste von Menschen. Der Kirchraum war einst auch Friedhof.
Uwe Klein: "Ich habe 80 Leichen im Keller. "Offen liegt zurzeit die Grube mit dem Skelett eines jungen Mannes. Dessen gewaltsamer Tod wird auf einen Zeitpunkt während des Dreißigjährigen Kriegs datiert. Pfarrer Klein: "Für die Gemeinde stellt sich noch die Frage: Wie gehen wir mit unseren Toten um?" Eine Krypta ist dafür zumindest angedacht. Der erste Bauabschnitt nähertsich seinem Ende. Er galt der akuten Gefahrenabwehr.
Pfarrer Klein: "Für uns ist das ein kräftiger Schluck aus der Pulle, denn wir müssen das Projekt ohne Ressourcen komplett frei Schultern. "Das Gotteshaus zu verkaufenoder gar es vergammeln zu lassen, kam der Gemeinde nie in den Sinn. Klein: "Als Kirchenmann kann ichden zentralen Ort christlichen Glaubens nicht so liegenlassen. Fürdie Gemeinde ist die Kirche seit Jahrhunderten als Mittelpunkt sinnstiftend; hier wird getauft, werden Hochzelfen gefeiert und finden Beerdigungen statt." Zudem ist sie heute auch ein Ort für kulturelle Veranstaltungen. Und für den Landeskonservator Dr. Quadflieg istdie evangelische Kirche in Orsoy "ein hoch bedeutsames Zeugnis christlicher Architekturgeschichte", Weshalb sich am ersten Bauabschnitt Bund und Land finanziell beteiligt haben. Denn mit der tiefergelegten Kirche wird auch wieder die gotische Architektur des Ursprungs sichtbar.
Pfarrer Klein: "Der Kirchenraum strebt wieder in die Höhe zum Himmel." Für die Vollendung ist nochmals eine Million Euro erforderlich. Die Gemeinde hat bereits um Zuschüsse angefragt. Denn neben Kirchenmitteln wird es ohne Bundes- und Landesunterstützung sowie der Stiftung Denkmalschutz nicht funktionieren.
Die Evangelische Kirche Orsoy wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Sie enthielt die älteste Kanzel der der ehemaligen preußischen Rheinprovinz. Die 1551 geschnitzte Kanzel befindet sich zurzeit zur Restaurierung in Brauweiler beim Landschaftsverband. Die Orgel ist zur Renovierung bei einer Fachfirma in Riedberg; sie soll am Eingang als Schwalbennestorgel aufgehängt werden. Der erste Bauabschnitt diente zur akuten Gefahrenabwehr am Bauwerk. Strebepfeiler und Fundamente wurden erneuert; die Kirche erhält eine umfangreiche Drainage, mit der das Oberflächenwasser abgeleitet werden kann. Aus dem Innenraum der Kirche wurden 400 Kubikmeter Erdreich abgefahren. Jetzt ist das originale Bodenniveau erreicht, das auch der qotischen Architektur entspricht.
Für den zweiten Bauabschnitt wird eine Million Euro an Kosten kalkuliert. Die Gemeinde ist bei aller Eigenleistung auf Spenden angewiesen.
Spendenkonto: 10 10 88 00 13 bei der KD Bank Duisburg, BLZ 350 601 90, Stichwort "Hilfe für Kirche Orsoy".
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