Himmlische Hochwasserkunst
2011-01-24-nrzEngel aus Treibholzstücken, Kieselsteine, die mit Schutzsymbolen bemalt sind, sowie Holzstücke oder Steine auf Leinwand geklebt und mit einem Stift zum Engel ergänzt – so himmlisch kann Hochwasserkunst sein.

Mit Blick auf das zurückgehende Rheinwasser präsentierte Künstlerin Barbara Lübbehusen ihre ganz eigene Kunst im ehemaligen Fahrkartenhäuschen auf dem Rheindamm. Auf den nun überschwemmten Rheinwiesen hatte die Künstlerin zuvor die Bausteine zu ihren kleinen Kunstwerken gesammelt. Offenbar ganz zur Freude vieler Spaziergänger, denn die blieben immer wieder vor dem Fenster des Häuschens stehen um die Ausstellungsstücke zu bewundern. Manch einer nahm sich bei dieser Gelegenheit sogar spontan ein Hochwasser-Andenken mit.

Von einem Besucher zum nächsten
Gemütlich hatte die Künstlerin es allerdings bei den noch winterlich-nassen Temperaturen nicht in dem kleinen Raum. „Ich habe Tee und warme Kleidung dabei. Nachher kommt auch noch mein Schatz und macht die Pausenvertretung, damit ich einen Kaffee trinken gehen kann" sagt sie und lacht. Wirklich kalt hätte ihr aber kaum werden können, fast durchgehend galt es von einem interessierten Besucher zum nächsten zu gehen und sich ein wenig zu unterhalten, über das Wetter, das Hochwasser und natürlich auch die kleinen Kunstwerke.

„Dort drüben habe ich die Steine entdeckt", erklärte Barbara Lübbehusen, zeigte auf eine Wiese, die vom Rhein noch komplett überschwemmt war und ergänzte: „Vor zwei Wochen habe ich dort gesammelt. Schon drei Tage später wäre das nicht mehr möglich gewesen." Die Steine, die den auf Leinwand gemalten Engeln nicht als Rumpf dienten, wurden mit Zeichen aus einer Höhle in Ille de France versehen, die für Schutz und Kraft stehen sollen. Die Figuren, die beispielsweise aus Dreiecken, Kreisen oder Rechtecken bestanden, wurden nicht wie ihre Vorbilder an den Höhlenwänden in Stein geritzt, sondern mit einem goldenen Stift aufgetragen. „Ich wollte sie auch erst einritzen, aber mein Werkzeug hat dabei versagt", so die Künstlerin.

Eines davon, bestehend aus einem Halbkreis und einem daraus gerade nach oben gerichteten Strich soll so für den „Strom der Fülle" stehen und seinem Besitzer auf diese Weise Glück bringen.

Eine besondere Vorliebe hat die Künstlerin aus Orsoyerberg jedoch für das Treibholz, das das Hochwasser hinterlässt, wenn es sich zurückzieht. „Ich finde das einfach schön. Das ist warm und lebendig. Natur eben", erklärt sie. Die rundlichen Stücke von toten Bäumen, die unter Wasser liegen, hat sie zunächst auf ihrer Heizung getrocknet und dann weiter verarbeitet.

Angefangen hat alles allerdings mit einem bearbeiteten Speckstein, den die hauptberufliche Erzieherin von einer Freundin geschenkt bekommen hatte. Es folgte 1997 ein Kurs, in dem sie die Steinbildhauerei erlernte und 2003 schließlich ein eigenes Atelier in Vierbaum.




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