2012-01-31-nrz
Hat die Fähre eine Zukunft?

Die Zufahrt in Orsoy ist nicht mehr sicher, doch dem Fährmann fehlen die rund 90 000 Euro für die Sanierung.

Die Nachricht traf Dirk Nowakowski wie ein Hammerschlag. Nachdem das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein (WSA) die Zufahrt zur Rheinfähre in Orsoy kürzlich begutachtet hatte, fällte die Bundesbehörde ein vernichtendes Urteil: Die Zufahrt ist nicht mehr verkehrssicher.

Doch weil das WSA die Fläche vor über 50 Jahren an den Fährbetreiber, Nowakowskis Stiefvater, verpachtet hat, ist nicht sie, sondern der Fährbetreiber für die Instandhaltung der Zufahrt zuständig. Und weil regelmäßige Ausbesserungsarbeiten nicht mehr ausreichen würden, soll Nowakowski die Sanierung bezahlen.

„Ich hole derzeit einen Kostenvoranschlag ein“, berichtet der 40-Jährige, der die Fähre 2008 von seinem Stiefvater übernahm. Die Rede ist jedoch von Kosten in Höhe von rund 90 000 Euro. „Das kann ich nicht bezahlen“, betont der Fährmann, der erst im vergangenen Jahr für 120 000 Euro die Maschine erneuern ließ.

Doch ehe der Fährbetrieb tatsächlich ernsthaft gefährdet ist, wird noch viel Wasser den Rhein hinab fließen. Bis Ende März soll Nowakowski dem WSA ein Konzept vorlegen. Mit dessen Erstellung will man ihn jedoch nicht alleine lassen. Die Einsicht, dass die Fähre ein wichtiges Transportmittel und ein Wirtschaftsfaktor ist, teilen alle Beteiligten. Laut Nowakowski setzt die Fähre täglich bis zu 300 Autos über den Rhein. Im Sommer kommen unzählige Ausflügler hinzu.

„Bedeutsam für den Ort und ganz Rheinberg“
„Wir sind guter Hoffnung, dass es eine einvernehmliche Lösung geben wird“, betont WSA-Pressesprecher Bernd Schönfelder. „Die Fähre ist sehr bedeutsam für Orsoy und ganz Rheinberg“, unterstreicht Rheinbergs Technischer Beigeordneter Dieter Paus. „Die Fähre ist für die Region identifikationsstiftend. Eine Einstellung des Betriebes wäre für Walsum und sicher auch für Rheinberg fatal“, so Reinhold Mettlen, Bezirksamtsleiter in Walsum.

An ihn hatte sich der Duisburger Nowakowski als erstes gewandt und bereits konkrete Unterstützung erfahren. Mettlen wandte sich an das NRW-Verkehrsministerium. „Dort wurde meine Einschätzung, dass es sich bei der Fähre um eine Verlängerung der Landstraße handelt, in einer ersten Reaktion bestätigt“, so Mettlen. Würde diese Ansicht auch einer juristischen Bewertung Stand halten, könnte die Sanierung der Zufahrt mit Landesmitteln unterstützt werden. Mettlen will sich weiter um den Kontakt zum Ministerium kümmern.

Nowakowski hofft nun auch auf Unterstützung der Stadt Rheinberg und will das Gespräch mit Bürgermeister Hans-Theo Mennicken suchen. „Wir sind uns der Bedeutung der Fähre bewusst und werden Gespräche führen“, so Paus in einer ersten Reaktion. Interessant könnte die Sanierung des Anlegers auch sein, weil von hier die Boote der Feuerwehr ins Wasser gelassen werden.




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