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Der Altar kehrt nach St. Nikolaus in Orsoy zurück

Edeltraud Hackstein und Peter Bußmann (rechts) vom Rheinberger Heimatverein überreichen ihre Spende an Pfarrer Wolfgang Schmitz. | Foto: PrivatDer Heimatverein Rheinberg spendet für die Restaurierung des berühmten Brüsseler Altars in St. Nikolaus. Am Ende des 2. Weltkrieges wurde er schwer beschädigt.

„Da fehlt doch was.“ Das Erste, was einem Besucher der katholischen Kirche St. Nikolaus in Orsoy auffällt, ist die riesige Leinwand hinter und perspektivisch über dem steinernen Altar. Auf der ein spätgotischer Altar abgebildet ist – einen Schnitzaltar mit bunten Holzfiguren und zwei großen Seitenflügeln darstellend. Die fotografische Darstellung auf der Leinwand ist ein Abbild des über die Grenzen Europas hinaus bekannten so genannten Brüsseler Altars, nach seinem Entstehungsort benannt, auch bekannt als der Passionsaltar von Orsoy.

In der Brüsseler Werkstatt des flämischen Malers Colijn de Coter, der später den Beinamen Master van Orsoy bekam, entstand um 1500/10 der Schnitzaltar mit vier bemalten Flügeln. Damals eine Auftragsarbeit für die ehrwürdige weiße Kirche in der Ortsmitte, heute Evangelische Kirche, früher noch katholisch. In den Wirren der Reformation überlebte der Altar den Bildersturm fanatischer Protestanten, fand sich weit später in der dann neu gebauten katholischen Kirche um 1638 wieder.

Am Ende des 2. Weltkrieges erlitt der Altar („Das ist ein wunderschönes erhaltenswertes Stück“, so Pfarrer Schmitz. „Europaweit einmalig, ein herausragender qualitativ hochwertiger Altar.“) schwere Schäden. Sensationelle Ergebnisse ergaben Untersuchungen 2006, die mit Infrarot sogar in die Tiefe gingen. Da offenbarten sich schwere Schäden, die eine aufwendige Restaurierung erfordern, sogar noch Einschüsse.

2013 wurde der Altar abgebaut, nach Bonn zur Restaurierung transportiert, die insgesamt 165000 Euro kosten soll. Der Landtagsabgeordneten Marie-Luise Fasse (CDU) gelang es, vom Bund 60000 Euro zu bekommen, weitere 60000 Euro gab das Bistum. Den Rest muss die Gemeinde tragen. Die Orsoyer zeigten sich spendabel. Der Verein zur Erhaltung historischer Gebäude und Örtlichkeiten in Orsoy gab zweimal eine beträchtliche Summe, die Kulturstiftung der Sparkasse schoss zu. Auch der Rheinberger Heimatverein spendete. Edeltraud Hackstein, Vorsitzende, und Geschäftsführer Peter Bußmann, überreichten 500 Euro, die Mitglieder sammelten und aus der Kasse aufgestockt wurden. „Der Heimatverein Rheinberg hat viele Mitglieder in Orsoy“, betonte Edeltraud Hackstein. „Wir möchten auch dort Kulturgeschichte und heimatliche Kostbarkeiten bewahren.“ Der Brüsseler Altar, Orsoyer Passionsaltar genannt, bietet sich aufgrund seines wechselvollen Schicksals besonders an, die Heimatgeschichte zu betrachten, so die Vorsitzende. So trägt die Spende des Heimatvereins mit dazu bei, dass der restaurierte Altar bald wieder in Orsoy steht. 2016 ist das Ziel. Noch bittet die Gemeinde um Spenden. Doch neuer Ärger droht: Ein Wassereinbruch in die Kirche lässt undichte Stellen vermuten. Erste Schäden liegen schon vor. Kommt der Altar aus Bonn zurück, muss er absolut trocken stehen.